Les Roues de Couleurs

Date June 24, 2006 | Map

Die Erwartung an das diesjährige Greenwich and Docklands International Festival waren aufgrund der eindrucksvollen Performances letztes Jahr hoch. Sehr hoch. Enttäuschungen waren daher nicht zu vermeiden – enttäuscht wurde ich allerdings hauptsächlich von der Terminplanung: Alles an einem verlängerten Wochenende, zudem noch in einer sehr arbeitsreichen Phase meinerseits, weshalb ich nur eingeschränkt am Festival teilnehmen konnte. Doof, das. Immerhin war das, was geboten wurde, wieder einmal gut. Nicht so gut wie letztes Jahr, aber immer noch gut genug, um den Jahreshöhepunkt-Status des Greenwich and Docklands International Festivals aufrecht zu erhalten.


Nachdem ich die ersten drei Events verpassen musste, sorgte die Compagnie Off für meine erste GDIF-Erfahrung dieses Jahr. Wo zuletzt ein träumerisches Schiff durch die Straßen Bows zog, bot sich diesmal ein farbenprächtiges Techno-Schauspiel. Die Musik war zwar echt nicht mein Ding, aber bei fast zweistündiger Dauerbeschallung wippte man zwangsweise irgendwann mit.

“Die Farbenräder” lautete der Titel des diesjährigen Spektakels, das im Prinzip eine Art Technoparty war. Zwar wurde eine Story drum herum gebastelt, doch die war durchaus dünn: Irgendwelche “Besucher” kamen von irgendwoher (Außerirdisch? Metamorphotisch?), symbolisiert durch Mann und Frau, die in einem Feuerbecken vollständig mit Lehm beschmiert wurden, eine gelbe Brille aufhatten und einen Koffer trugen, ansonsten bis auf Tücher um die Geschlechtsmerkmale und festen Schuhen aber nackt waren. Nach dem Beschmierungsritus ging die Party los, und auf einmal wimmelte es von diesen halbnackten Kofferträgern, die wild-aggressiv zwischen den Rädern im Takt hin- und herstampften. Die Räder wurden durch ihresgleichen bedient.

Zwischen der ganzen Szenerie liefen Typen im Anzug und ebenfalls gelb bebrillt herum und beleuchteten chaotisch die Farbräder mit mobilen Scheinwerfern. Der zentrale Wagen hatte die Musikanlage sowie zwei Projektoren an Bord, die künstlerische Videos der Lehm-Menschen auf die umliegenden Häuserwände sowie auf ein spezielles Leinwand-Farbrad projizierten. Die Räder (zwei parallele stoffbespannte Reifen mit Achse in der Mitte) selbst waren in einheitlichen Regenbogenfarben gehalten, hatten aber sehr unterschiedliche Größen: Von etwa einem Meter bis bestimmt zehn Meter Höhe. Ab und zu wurde auch gezündelt: Kleine Explosionen und Fackeln für nette Beleuchtungseffekte.

Diese Prozession zog sich von der Fußgängerzone der Bow Road bis zum Wellington Green, wo es zu einem kurzen Party-Finale kam, bei dem die großen Räder durch Bagger in den Himmel gehoben wurden und die, äh, “Musik” (also der Technoschrottkrach) durch eine festinstallierte PA noch einmal richtig aufgedreht wurde. Was mal wieder bewies, dass rein elektronisch produzierte Musik auch bei überproportionaler Lautstärke niemals, never die Energie entfalten kann, die eine gute Liveband locker aus dem Ärmel schüttelt. Naja.

War insgesamt jedenfalls wieder ein lustiges Spektakel. Weniger abwechslungsreich und faszinierend als letztes Jahr an gleicher Stelle, aber absolut das Dabeisein wert. Ich freue mich aufs nächste Jahr.

 


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