Britain’s Got Talent

Date April 7, 2007 | Map

Eine Casting-Show. Hochqualitative und -kulturelle Fernsehunterhaltung in Reinform. Völlig frei von Realsatire. Oder so. Oder einfach mal das Hirn abschalten und sich dem Massenwahn hingeben. Genau das taten wir heute, am Ostersamstag, denn über den Applause Store wurden mir sehr spontan zwei Tickets angeboten. Nicht, dass ich mich dafür beworben hätte, natürlich – also, nicht für diese spezielle Show, registriert hatte ich mich dort schon. Und geantwortet auf die Einladung.

Das Recording war für die Viertelfinals der allerersten Staffel von Britain’s Got Talent, der Talentshow, in der irgendwer mit irgendwas irgendwelche Leute unterhalten sollte. Im Viertelfinale, der ersten Phase mit Live-Publikum, hatten die Talente zwei Minuten Zeit, falls sie nicht von den drei Judges Simon Cowell, Amanda Holden und Piers Morgan vorher mittels Buzzer (in Herzinfarktlautstärke) abgewürgt wurden. Das Recording hatte keine echten Präsentatoren, allerdings sprangen Ant & Dec Backstage herum, um die Talente zu interviewen.

Um das Publikum bei Laune zu halten, war der klassische Warm-Up-Comedian fast permanent auf der Bühne. Leider weiß ich nicht, wer das war – er war allerdings das Beste am ganzen Recording. Teilweise ging der Humor ziemlich unter die Gürtellinie, und das bei einer Familienshow! Dennoch hatte er das Talent, spontan zu reagieren und Hinweise aus dem Publikum direkt umzusetzen, wie z.B. die Kolumbianer-Fraktion im Dress Circle, die fortan wiederkehrende Klischee-Gags über die kolumbianische Drogenkultur über sich ergehen lassen musste. Der Humor des Comedians ließ weder die Judges noch die Show selbst aus: Über alles machte sich der Warm-Upper lustig, was wirklich half, das Format akzeptabel zu halten – und vier lange Stunden im heißen Theatersaal auszuhalten!

Die Talente selbst waren eine sehr bunte Mischung. Die meisten durchschnittlich langweilig, richtig gute Leute gab’s nicht sehr oft, was zwischendurch für Längen sorgte. Ein ganz kleines Mädchen sang eine herzzerreißende Version von Somewhere Over the Rainbow (und kam damit auch ins Finale), ein Stadtschreier sorgte mit seiner Elvis-Interpretation für Cringe-Momente, ein Spielmannszug überraschte mit Popmusik, eine Breakdance-Truppe wirbelte über die Bühne und durch die Luft und hatten das Publikum, aber nicht die Judges auf ihrer Seite.

Die Judges waren natürlich Teil des Appeals, allen voran Simon Cowell. Sehr arrogant, der Mensch, und er ist in meinem ohnehin nicht hohen Ansehen noch deutlich gesunken, als er sich fortwährend über das Rauchverbot hinwegsetzte und fast permanent eine qualmte. Allerdings musste er auch einstecken: Besonders lustig war, dass anfangs eine Produktionsassistentin extra zwei Kissen für Simon herbeiholen musste, damit er im Bild größer als die nun wirklich recht kleine Amanda Holden wirkte! Kleiner Giftzwerg, der Simon, aber sowas sorgt halt für Quote.

Alles in allem ein wirklich unterhaltsamer Vormittag – wir standen bereits um 10.30am in der Schlange, trotz Party am Vorabend. Aber mal ehrlich, rausgerissen hat’s der Warm-Up-Comedian.



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