Wohnungssuche: Startschuss v3

Date July 7, 2007 | Map

Mit Grauen erinnerte ich mich an die letzte Wohnungssuche vor zwei Jahren. Damals hatte ich ja einige Erfahrungsregeln aufgestellt. Dazu gehörte:

Beginne deine Suche zwei Monate vor dem Umzugstermin, und sowohl Makler als private Landlords schicken dich nach Hause.

Banksy: Girl with a Balloon, by funkypancake via flickr.com

Banksy: Girl with a Balloon, by funkypancake via flickr.com

Und auch wenn ich erst in zwei Monaten aus meinem derzeitigen Studio raus musste bzw. wollte, begann ich trotzdem jetzt schon mit oberflächlichem Durchforsten von ein paar Webseiten. Dabei fiel mir dieses eine Angebot ins Auge, dass mich dazu bewog, eine Besichtigung zu arrangieren: Bus direkt zur Arbeit, alternativ gut 30 Minuten zu Fuß. Dazu noch in Hoxton am Shoreditch Park. Auf dem Satellitenbild von Google Maps aber sah das nicht mehr ganz so spannend aus: Dieser komische Schatten deutete auf ein recht hohes, nicht sehr neues Haus hin.

Aber anschauen kostet nichts. Ich ging von Angel den Regent’s Canal entlang – sehr schön. Hier kann man’s aushalten. Dann bog ich in die New North Road ein und sah das, ahem, hübsche Estate namens Bracklyn Court. Naja, besser in einem hässlichen Haus wohnen und einen guten Ausblick haben als in einem guten Haus mit hässlichem Ausblick. Zum Glück war die Wohnung nicht in dem hohen Klotz, sondern einem kleineren vierstöckigen Bau, in denen die einzelnen Wohnungen jeweils zwei Stockwerke belegten.

Die Wohnung würde eine Zweier-WG sein, und ich würde sie mit der Französin teilen, die mich durch die Wohnung führte. Etwa mein Alter, sehr nett und attraktiv, konnten wir uns gleich ungezwungen unterhalten – menschlich stimmte das schon einmal, wenn man das in ein paar Minuten überhaupt beurteilen kann. Die Wohnung selbst hatte eine annehmbare Küche mit relativ wenig Stauraum, leider nur ein Bad, eine äußerst kleine Lounge, die mit Sofa und für den Raum überdimensionalem Fernseher bereits soweit überfüllt war, dass sich die Tür nicht mehr vollständig öffnen ließ, und den zwei Schlafzimmern.

Mein potentielles Zimmer hatte sogar eine annehmbare Größe, allerdings betont hässliche Möbel, einen mehr als hässlich abgenutzten Teppich und nur halbe Fenster. Horizontal halb: Obwohl dieses Zimmer im obersten Stock lag, fühlte man sich mit diesen besseren Lüftungsschlitzen gleich wie im Keller! Wahrscheinlich aber waren die Fenster nicht größer, weil der Blick nach Draußen einfach nur deprimierend war: Weitere namenlose, unattraktive Ex- oder vielleicht sogar noch aktuelle Council Flats, schon halb heruntergekommen. Immerhin blickte man von der Mini-Lounge durch ein normal großes Fenster direkt auf den Shoreditch Park.

Im Prinzip war das alles schon akzeptabel. Da es aber meine allererste Besichtigung in diesem Wohnungssuchzyklus war, ich nicht vollständig überzeugt war und ja auch noch zwei Monate Zeit hatte, sagte ich letztendlich ab. Sonst würde ich jetzt wohl in der Nähe des berühmten Girl with a Balloon von Banksy wohnen, siehe obiges Bild. Beziehungsweise in der Nähe des Originalschauplatzes, denn nachdem die Wand von dem Mädchen “gesäubert” wurde, sind dort nur noch Toaster.

toasters

The Toasters, by eddiedangerous via flickr.com



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